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Was über das #folo2010 zu lesen ist

30. Januar 2010

Einen Tag nach dem Ende des Forums Lokaljournalismus entwickelt sich so langsam ein Substrat daraus in meinem Kopf. In der Blogosphäre findet man schon einiges zum Thema. Ein Streifzug.

Clutching at Hombach, schreibt Christian Jakubetz, der „nur“ anderthalb Tage dabei war. Er kapriziert sich dabei vor allem auf die missglückten Auftaktreden von WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (Ausschnitte). Er schreibt u.a.:

Den Online-Auftritt der WAZ bestaunte er ausgiebig dafür, dass es dort so bahnbrechende Dinge wie Videos und Audios gibt und den Fortbestand der Tageszeitung begründete er mit irgendwelchen tausendmal gelesenen Glaubwürdigkeitsstatistikuntersuchungen und der unwiderlegbaren Tatsache, dass er selbst ja auch gerne Zeitung lese (dann ist ja gut).

Bodo Hombach übrigens kommt bei Jakubetz noch schlechter weg als Rüttgers.

(…) ob es denn wirklich einen Unterschied mache, ob nun beispielsweise an einem Kunstwerk vier oder fünf Leute arbeiten würden? Hombach im O-Ton: “Wird die Oper besser, nur weil fünf Geiger mehr auf der Bühne sitzen? Wird das Bild des Malers besser, wenn zwei weitere mitmischen?” Macht natürlich keinen, ist klar. Die 300 Entlassenen bei der WAZ waren also, so gesehen, eh überflüssig.

Auf Hombachs Rede drischt auch Philipp Ostrop in seinem ostroplog ein:

Hombach sagte (…) nichts Relevantes, und so war es auch nicht schlimm, dass die UMTS-Verbindung ab- und damit mein Stream zusammenbrach. Die Zuschauer wären sowieso eingeschlafen.

Er hatte sich aber vor allem in den Kabarettisten verliebt, (Videoausschnitt), über den sich der Mitveranstalter WAZ selbst schwarz ärgerte. Ostrop schreibt:

So schlüpfte Keim in die Rolle von WAZ-Redakteuren, die um 16 Uhr den Griffel fallen lassen, und ihre freien Mitarbeiter als “freie Würste” bezeichnen. Vor dem Hintergrund des knallharten WAZ-Sparkurses, bei dem zurzeit knapp 300 Redakteure ihre Jobs verlieren und sich vielfach als freie Journalisten über Wasser halten müssen, war dies ein Hohn – oder, um im Sprachduktus des Kabarettisten zu bleiben, ein Schlag in die Fresse vieler verdienter Kollegen.

Warum der Drehscheibe-Blogger Jan Steeger von „Gelungener Auftakt“ schrieb – mir ein Rätsel. Die Meinung hatte er wohl exklusiv.

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Sarah Schantin-Williams (IFRA)

Sarah Schantin-Williams (IFRA)

Den zweiten Tag eröffnete Sarah Schantin-Williams (IFRA Associate Consultant) mit einem Vortrag, über den mehrere Kollegen am Ende sagten, den hätten sie vor vier Jahren schon in ganz ähnlicher Form gehört. Sie ging auf den Wandel der Mediennutzung ein, das rapide Wachstum der Internetnutzung und so. Kathrin Matthes hat für die Drehscheibe weitere Inhalte zusammengefasst. „Frösche im Newsroom“ besagt im Endeffekt nur eines – die vielleicht zentrale Message des Forums: Machen! Ausprobieren! Jetzt – und nicht abwarten! Oder nach Schantin-Williams: den Frosch ins heiße Wasser schmeißen, nicht ins lauwarme.

Und dann? Ging es steil bergauf. Meint auch Katrin Matthes (Drehscheibe).

Endlich eine richtige Diskussion gab es im Experten-Forum “Die Zukunft des lokalen Newsdesk”.

Ihr Beitrag fasst die Diskussion dort schön zusammen – und ein Video hat die Drehscheibe  dazu auch. 

Auch wenn die WAZ-Volos, die unter derwesten.de/folo2010 ab dem zweiten Tag sehr ausführlich und schnell berichteten, die Ruhr-Nachrichten nicht mit Bindestrich schreiben sollten – das „Wie funktioniert ein regionales Newsdesk und was sind die Vorteile“ fassten Linda Fischer und Maike Rellecke gut zusammen.

Ich war übrigens zur gleichen Zeit in einem parallelen Plenum zum Thema Lokaljournalismus online. Dazu gibt es demnächst mehr in diesem Blog. Nur soviel vorab: Alexander Houben und Henrik Bortels waren spannende Pole einer guten Debatte.

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Die spannende Schlussrunde

Die spannende Schlussrunde

Von Tag 3 bleibt vor allem die alles bestimmende Abschlussdiskussion hängen. Das war von den Programmplanern genauso angelegt, denn das Podium war sehr divers besetzt: Malte Hinz (WR-Chefredakteur) und Horst Röper (aktueller, aber dennoch eher Medienforscher älterer Schule) trafen auf Sascha Lobo (der weit davon entfernt ist, Lokalzeitungen zu lesen, sondern der sich als Mister Web2.0 fast nur im Netz rumtreibt) und Stephan Weichert, junge Professoren-Avantgarde, der vom Podium aus Teile der Diskussion mitflippte. Deutlich wurde: Die behäbigen Schlachtschiffe Zeitungsverlage, die zum Teil auch Öltanker- oder Flugzeugträger-Ausmaße annehmen, haben gegen die wendigen Kreuzer, zum Beispiel Hyperlokal-Blogger, in Sachen Wendigkeit und Reaktionsschnelligkeit – also Innovationsgeschwindigkeit – keine Chance. Vor allem dann nicht, wenn sie sich gegenüber anstehenden technischen Entwicklungen wie Apples iPad so verquer zeigen wie Malte Hinz, der hingegen insistierte, die WR habe in den letzten beiden Tagen ja in der Zeitung über das iPad berichtet – und er habe sogar schon eines in der Hand gehalten. Damit wäre Hinz nach Steve Jobs und ein paar Apple-Mitarbeitern wahrscheinlich der achte oder zwölfte Mensch weltweit. 

Die WAZ-Volontäre haben interessante Statements aus der Runde zusammengestellt.

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Mehr Gedanken, Videos und Co. folgen hier demnächst. Ein paar Schlussstatements gibt es schon an anderer Stelle.

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One Comment leave one →
  1. 30. Januar 2010 16:03

    Interessante Zusammenstellung, danke!

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