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Was beim #folo2010 WIRKLICH Thema war

6. Februar 2010

Einen waghalsigen Beitrag zum Forum Lokaljournalismus habe ich jetzt gefunden. Ich ihn gefunden? Nein, das würde ja voraussetzen, dass ich ihn gesucht hätte. Es war anders. Er hat den Weg zu mir gefunden. Dank des Social Web bzw. dank @PhilippOstrop (der via @tmrazek darauf gestoßen ist, der vermutlich via @BJVde darauf gestoßen ist). Paradox daran: Es ist ein Beitrag, der das Social- und Echtzeit-Web infrage stellt, es in die Nähe von einer Second-Life-Hype-Blase rückt und indirekt von einem Trend spricht, der nicht von Dauer sein wird. Steile Thesen. 

 

Waghalsig an dem Artikel, der bei echo-online.de, dem Internetportal des Darmstädter Echos im Medienhaus Südhessen, erschienen ist, ist vor allem diese Passage: 

Einzig das Medienhaus Südhessen sorgte in der Veranstaltung mit dem Titel ,,Mutig, Multimedial, Meinungsbildend“ für anerkennende Aufmerksamkeit, weil das Unternehmen aus Darmstadt mit neuen Printprodukten in Nischen neben der Tageszeitung für greifbare Erlöse sorgt. 

Achso? Einzig das hat für anerkennende Aufmerksamkeit gesorgt? Sorry, das Forum liegt jetzt auch schon zehn Tage zurück, aber wenn ich mich recht entsinne, hat niemand, mit dem ich hinterher darüber gesprochen habe, auch nur ansatzweise über das Medienhaus Südhessen und dessen Produkte gesprochen. Vielleicht habe ich mich auch mit den falschen Leuten unterhalten. Ach ja, über Twitter oder diverse Blogs ging von der anerkennenden Aufmerksamkeit auch nichts – zumindest hat mich nichts erreicht.

Ich will nicht bestreiten, dass der Verlag mit (wie er selbst schreibt) „eigenen publizistischen Angeboten wie der überaus populären Beilage ‚Kinder-Echo‘ oder dem Magazin für Macher und Märkte in Südhessen, dem ,’Wirtschaftsecho‘,“ Geld verdient. Ich will auch die journalistische Qualität der Produkte nicht in Abrede stellen – und auch nicht das Faktum, dass der Verlag mit seiner Tageszeitung den größten Umsatz erzielt. Ehrlich gesagt freut es mich sogar, wenn Printprodukte am Markt erfolgreich sind. Und ich spreche den Machern dafür meinen Respekt aus. 

Mediennutzungsdauer-Studie von ARD und ZDF

Mediennutzungsdauer-Studie von ARD und ZDF

Aber dass der Weg derzeit eher weg vom Papier- und hin zum digitalen Medium geht, will der Autor das wirklich ernsthaft bestreiten? Und damit meine ich nicht eben die Glaubwürdigkeitserhebungen, die der Autor auch erwähnt (Zeitung vor TV, Internet und Radio), sondern die der Mediennutzungsdauer (s. Grafik oben oder Studie für US-Markt). Denn die misst die Reichweite – darauf gehe ich unten noch mal ein. 

Darum ist es sinnvoll, die aktuell angesagten Kanäle zu kennen. Darum ist es auch sinnvoll, sich mit Social Networks und Echtzeit-Plattformen, denen der Autor des Medien-Echo-Beitrages offensichtlich abgeneigt gegenübersteht, zu beschäftigen – und das geht nun mal am besten, indem man sich selbst auf solchen Plattformen bewegt. 

Was Twitterfeeds für Lokalzeitungen und deren (leitende oder nicht leitende) Redakteure für einen Sinn haben? Das erklärt der Autor im Prinzip selbst, wenn er schreibt: 

Geld wird damit keines verdient, allenfalls virtuelle Reichweite erzielt. 

Aha, bloß Reichweite. Da frage ich mich: Womit verdienen Medienhäuser Geld? Meines Wissens mit Reichweite, die interessiert nämlich die Anzeigenkunden. Ob sie virtuell ist oder Reichweite von gedrucktem Papier ist, spielt dabei keine Rolle. Und wer bei der Kenntnis solcher Erhebungen wie die in der Grafik unten im Internet nicht mitmischt, der verpasst Chancen (interessanter Beitrag von FAZ-Netzökonom Holger Schmidt mit weiteren Grafiken zum Thema).  

Bedeutung des Internet als Informationsquelle

Bedeutung des Internet als Informationsquelle

In einem hat der Autor des Echo-Online-Beitrages recht: Die Branche sucht nach Erlösquellen, ob auf Papier oder bei digitaler Darstellung von Nachrichten. Der Schluss, den man aus dieser These ziehen müsste, ist aber sicher nicht, einen der beiden Kanäle weitgehend auszublenden.

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6 Kommentare leave one →
  1. 6. Februar 2010 14:58

    Ich habe den Artikel bei echo-online jetzt 2x aufmerksam gelesen und kann irgendwie nicht feststellen, wer der oder die Autor/in desselben ist. Traut sich hier jemand nicht, seinen Namen zu nennen?
    Noch beachtenswerter als die von Ihnen zitierte Passage finde ich folgenden Passus:

    „..Denn gerade diese Organisation (Ifra), am Darmstädter Washingtonplatz ansässig, war es, die vor vielen Jahren nicht müde wurde, bei den verschiedensten Veranstaltungen Verlegern den Floh ins Ohr zu setzen, in Zukunft rücke ein schreibender Reporter mit Block, Videokamera und Mikrofon aus, um von einer Pressekonferenz nicht nur einen Text, sondern auch noch eine Audiodatei und ein Filmchen mitzubringen. Nachdenkliche Branchenvertreter hielten dies damals für Quatsch. Mittlerweile ist der Kreis derer, die so denken, enorm gewachsen.“

    Wo hat der Autor denn diese Erkenntnis gewonnen???

    Ich habe die Abschlussdiskussion auf dem #folo2010 übrigens mit einer Flip aufgenommen und die ersten 10 Minuten mal ins Netz gestellt:

    Leider ist die Verarbeitungssoftware alles andere als so simpel, wie die Aufnahme mit der Kamera. Die bereits getrimmten Teile 2 und 3 hat Youtube bisher verweigert.

  2. 7. Februar 2010 11:31

    Autor des Textes ist übrigens Chefredakteur Jörg Riebartsch himself: http://www.textclip.de/2010/02/06/292/spas-beim-lesen/

  3. Thomas Mrazek permalink
    7. Februar 2010 14:05

    Brrr, da gruselts einen schon ein wenig, denn den besagten Artikel hat der Chefredakteur des „Darmstädter Echo“, Jörg Riebartsch, geschrieben (will wohl seinen Namen nicht im Netz sehen oder publiziert dort nach dem Motto „Name tut nix zur Sache“ …). „Ein überheblicher und ignoranter Aufsatz“, sagt Christoph Lippok in seinem Blog Textclip, Lippok hatte die gedruckte Ausgabe des „Darmstädter Echos“ zur Hand (dort gibt sich der Autor zu erkennen). Ach, wegen der Quelle: BJVde wird auch von mir „bespielt“.

  4. 7. Februar 2010 18:09

    Danke Kollegen, für die Klärung der Autorenfrage. So unterschiedlich sind also die Maßstäbe für Print und Netz. Im Netz kann man ja ruhig anonym unterwegs sein ;-))

  5. Christian Lindner permalink
    7. Februar 2010 22:50

    Obwohl ich die im angesprochenen Text geäußerten Thesen des Chefredakteurs-Kollegen Riebartsch teils nicht teile, obwohl er mit seiner Kritik an twitternden Journalisten auch mich oder Kollegen wie mich meinen dürfte, eins sollten wir sehen:

    Es hilft beim Bedenken und Bewerten neuer Entwicklungen wie Print goes Web2.0, wenn nicht alle Medienmanager dem Beifall spenden – oder abwartend schweigen.

    Zur Bewertung des Darmstädter Echos auf das Forum Lokaljournalismus muss man wissen: Riebartsch stellt sich öfters gegen tatsächlichen oder vermuteten Mainstream in der Medienbranche – und machct das auch immer öffentlich.

    Auch dem flächigen Trend zur Einführung von Desks in Redaktionen hat er widerstanden – und uns Desk-Fans couragiert widersprochen. Sein Tenor: Man kann eine gute Regionalzeitung auch mit klassischen Ressorts machen.

    Auch wer in puncto Desk oder Web2.0 anders denkt: Ein knackiger Kontrahent bringt der Debatte mehr als ein weiterer Bestätiger der herrschenden Meinung.

Trackbacks

  1. #folo2010: Nach- und Nebenwirkungen « ostroplog – Das Weblog von Philipp Ostrop

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