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Ein Filmemacher über mein Web-Video I

2. März 2010

Journalisten sind ständig der Kritik ausgesetzt. Wenn sie nicht automatisch kommt, dann hole ich die Kritik halt da ab, wo sie ist. Es muss ein Hang zur Selbstzerfleischung gewesen sein, der mich dazu getreiben hat, einen Diplom-Journalisten und Filmemacher fürs Fernsehen zu befragen, wie er eigentlich das findet, was ich so anstelle: schnelle Webvideos mit der Flip. Beziehungsweise war meine Frage an Ralph Brix vom WDR: Wie schlimm findest du das hier?

„Mit der Bitte um eine Antwort, die deiner dir gegebenen Ehrlichkeit entspricht“ – so hatte ich die Anfrage per Mail an ihn unterschrieben. Er nahm sich viel Zeit und schrieb mir seine Manöverkritik zu diesem Film. Tausend Dank für die Hinweise – et voilà:

Stadtprinz Andreas IV. von Münster hat kurz vor dem Höhepunkt der Karnevalssession 2009/2010 die Münstersche Zeitung (also meinen Arbeitgeber) besucht. Ich hab ihn mir für ein spontanes Interview gekrallt.

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RALPH BRIX schreibt:

  1. Ich will zunächst ein paar Fragen stellen. Wenn Du schon im Bild bist, warum dann meistens nur Dein Mund?
  2. Warum sehe ich nicht ein paar Bilder, die mir die Atmosphäre des Gesagten näherbringen und damit das Bild etwas spannender machen UND zudem klären, warum da so ein Hintergrundlärm herrscht?
  3. Warum sind von dem Interview nur zwei Sachen bei mir hängen geblieben: a) die Frage nach dem Privatleben und die Antwort und b) meine Frage, warum Du so spaßig, unverschämt (gut!) nach den Kosten fragst und Dich dann mit so einer Kasparantwort abspeisen lässt?
  • Dass Du das aus der Hand gedreht hast, finde ich unglaublich. Es erklärt zwar die erste Frage (zumindest mir, der nun um die Produktionsbedingungen weiß). Aber ich bin überrascht, wie ruhig Du die Kamera hältst. Das schaffen andere ja nicht mal, wenn sie die normal vor der Nase haben. Hut ab vor der ruhigen Hand. Aber Bauchschmerzen wg. des Bildausschnitts.
  • Der Prinz von Münster ist ein Langweiler. Da kannst Du ihn anlachen, soviel Du willst. Er sieht aus wie eine Schlafmütze, redet wie eine und hat einen Tiefgang wie ein Luftkissenboot (Lustig hätte ich – so als verhohnepiepelnden Kontrast einen kleinen Tusch nach jedem Satz *grinz*). Warum beschenkst Du den Zuschauer nicht wenigstens mit einigen Schnittbildern (denn ich gehe ja mal davon aus, dass Du da auf einer Karnevalsveranstaltung warst)?
  • Interviews für Print und Hörfunk und im Gegensatz Interviews im Bild unterscheiden sich in einem Punkt wesentlich: Fragestellungen des Reporters, evtl. Peinlichkeiten, Stotterer, Unwissenheit wird der Leser und Hörer nie mitbekommen. Denn der Autor hat wohlweislich das für Ihn Unrühmliche weggelassen/ rausgeschnitten. Der On-Reporter aber in einer gewollt ungeschnittenen Fassung muss etwas behutsamer mit sich selbst und seiner Rolle umgehen.
  • Du lachst die ganze Zeit. Man fragt sich nur, warum. Denn wie gesagt: der Prinz ist unlustig. (Motivationslachen oder Selbstamüsierung?)
  • Wenn Du eine kritische Frage stellst, dann entfachst Du ein kleines Duell. Dann lass Dich doch aber nicht überrumpeln. Denn Deine Frage ist im Raum und der Zuschauer hätte gern eine Antwort drauf und Du warst in diesem Fall der Einzige, der dem Zuschauer dieses Geschenk hätte machen können (und komm mir nicht mit: keine Antwort ist auch ne Antwort).
  • Zwischendurch hattest Du einen Fragenhänger. Es wirkte, als hättest Du zwar keine Fragen mehr, aber irgendwie noch zuviel Zeit. Das ist für den Zuschauer nicht gerade ein Anreiz, auf eine besonders spannende Fortsetzung des Gesprächs zu hoffen.

Das Grundprinzip war gut. Ein Vieraugengespräch – der Prinz am Rande des Trubels – trotz Kostüms mal raus aus der Rolle. Und tatsächlich war es ja auch ziemlich entlarvend (Auch Karnevalsprinz scheint nur ein Job zu sein).

Aber… (oh oh) mir schien das alles etwas improvisiert. Hattest Du das oben beschriebene Gesprächsziel oder hat sich das Interview „einfach so“ entwickelt? Hier solltest Du über mehr Konsequenz bei der Interviewführung nachdenken. Du bist der Chef im Ring (auch anders als bei Print und HF). Genieß es.

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