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Das Verpasstheitsproblem

18. Mai 2010

Dauernd fließen Informationen

Das Internet ist zu groß. Allein meine Kontakte im Social Web machen mir das an vielen Tagen deutlich. Sie schreiben über Artikel, Videos, PDFs oder sonstwelche Dinge, die sie gefunden haben, präsentieren sie mir auf dem Silbertablett, ich muss nur noch ein einziges Mal klicken, um sie aufzusaugen – und obwohl ich weiß, dass zig interessante Dinge darunter sind, lese ich vieles davon nicht. Und dann sind da die vielen anderen interessanten Inhalte, von denen ich nie erfahre, dass es sie gibt. Ich nenne es mal das Verpasstheitsproblem – und statuiere am Montag, 17. Mai, ein Exempel.

@stephanweichert twitterte am Morgen: RT @HolgerSchmidt Für die iPad-Fans: 93 Seiten Usability-Studie, was Nutzern an iPad-Apps gefällt – und was nicht. Finde ich interessant – aber 93 Seiten? Wer soll das alles lesen? Das hat mich abgeschreckt. Ich hab’s mir nicht angesehen.

Wenn @mauisurfer twittert, man müsse etwas unbedingt lesen, dann schrillen die Alarmglocken. Sie schrieb am Vormittag: Ein Schirrmacher mit unbedingter Leseempfehlung: Angriff auf die Zukunft Roland Kochs Wette http://bit.ly/aCYAka Schirrmacher macht klug, weil er zum Teil so schön streitbare Thesen vertritt. Dennoch: Nicht gelesen.

Irgendwie erfuhr ich am Vormittag via Twitter von diesem Interview mit Sascha Lobo bei der Rhein-Zeitung. Ich klickte hin, sah dass es über vier Seiten verteilt ist, las es ganz kurz quer und verschwand schnell – obwohl es vom Querleseeindruck wert war, mehr Zeit darauf zu verwenden und es komplett zu lesen.

Dann, am späten Mittag, twitterte der @RZChefredakteur über eine Aktion zum Lobo-Tag bei der RZ: Morgen ist #Um1inD – und Ihr macht doch mit, damit es auch ein Foto-Flashmob wird: http://bit.ly/clTsNx #cr41day #LoboRZ Kurz schlau gemacht über den Hashtag. Dabei auf den Livestream gestoßen, den die RZ am Abend mit Lobo machen wollte. 19 Uhr sollte es losgehen. Ich wusste schon: Das würde dich interessieren, aber das wirst du nicht verfolgen können.

In einer E-Mail, die ich mir vor mehreren Tagen als Erinnerung geschickt hatte mit Dingen, die ich unbedingt lesen wollte, schlummern noch folgende ungelesene Artikelchen:

http://opalkatze.wordpress.com/2010/04/26/liebe-online-presse/
http://faz-community.faz.net/blogs/netzkonom/archive/2010/04/27/viele-fuehrungskraefte-sind-zu-alt-fuer-social-media.aspx
http://www.derwesten.de/nachrichten/Online-Medien-diskutieren-das-Ende-anonymer-Kommentare-id2908518.html
http://blog.rhein-zeitung.de/?p=8062

Bestimmt nicht uninteressant, aber ebenfalls noch ungelesen als Erinnerung in meinem Mail-Postfach:

http://www.br-online.de/b5aktuell/medienmagazin/index.xml

Außerdem mehrere Folgen der Serie „Wozu noch Journalismus“ auf sueddeutsche.de, unter anderem diese beiden: http://bit.ly/bHcA3p http://bit.ly/bdBtX3


Was ich doch verfolgt habe:

Am Nachmittag twitterte @benni_live, dass http://www.derwesten.de/ ein neues Gewand hat. Die Ankündigung hatte ich kurz vorher schon bei @tknuewer im Blog gesehen.

Kollege @chaostheorie entdeckte am Nachmittag bei den Kollegen vom Stadt-Münster-Nachrichten-Internetdienst Echo Münster folgende Nachricht: „Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop.“ Ich las es und wir sprachen darüber.

Ich habe mir am Abend eine Erinnerung gebookmarkt: Ulrike Langers Präsentation zu Social Media im Journalismus will ich mir demnächst unbedingt mal ansehen; bis ich die Mail lösche und denke: wieder was verpasst.

Gut ist: Den Umgang damit, etwas nicht lesen zu können, habe ich zum Glück schon gelernt, als ich anfing, mich für Zeitungen zu interessieren. Aber es bleibt ein interessantes Phänomen einer sich immer mehr beschleunigenden und wachsenden Informationswelt, die dabei gleichzeitig immer leicht zu erschließen wäre – wenn nur das Zeitbudget mitwüchse.


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5 Kommentare leave one →
  1. 18. Mai 2010 23:05

    #Hach, Tobias. Ja. Ich nehm schon die Nacht dazu – Schön ge-, besser: beschrieben.

    Um Zeit zu sparen, kannst Du zum Beispiel montags Ulrikes Medienlinks zum Wochenstart bei Carta lesen, freitags meine Glanzlichter bei mir oder konzentrierter bei Carta. JO Schaefers macht abneds bei Netzpolitik eine Zusammenfassung der wichtigsten netzpolitischen (zum Teil auch journalistischen) Artikel.

    Unter http://twittertim.es/username bekommst Du zusammengestellt, was in Deiner Timeline oder in wichtigen Zeitungen ganz oben ist. Rivva kennst Du ja. Und dann legst Du in Deinem Twitteraccount noch eine Liste mit den Twitterati an, von denen erfahrungsgemäß interessante Tipps kommen, die rufst Du mittags mal ab.

    Damit bist Du mit dem Wichtigsten versorgt und hast nicht mehr solchen Stress ,)

    • 19. Mai 2010 08:41

      Ich hatte befürchtet, die Nerds und Internetstrategen würden beim Lesen dieses Blogeintrages hämisches Gelächter über mich ergießen, der ich mit meinem Zeitmanagement nicht zurecht komme. Stattdessen bekomme ich solche Tipps – großartig! Vielen Dank.

  2. 19. Mai 2010 07:42

    yup. wohl wahr. und dies hier ist einer der wenigen texte, die ich die letzten tage lesen konnte. traurig… ;)

    • 19. Mai 2010 08:40

      Es ist mir eine Ehre und Freude, dass du dich für DIESEN Text entschieden hast. ;-)

Trackbacks

  1. Auf die Schnelle « …Kaffee bei mir?

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