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So geht’s weiter mit „Schland o Schland“

13. Juni 2010
Schland o Schland im Südpark in Münster

Schland o Schland im Südpark in Münster

Kennen Sie „Schland o Schland“? Diese lustige Geschichte um einen WM-Song aus Münster hat mich am Donnerstag und Freitag (da habe ich diesen Weiterdreher geschrieben) beruflich beschäftigt, auch sonst interessiert und einigermaßen begeistert – und an dieser Geschichte vor allem die plakative Demonstration der Chancen, die das Social Web eröffnet. Binnen weniger Stunden wurde ein kreativer Einfall von ein paar Jungs aus meiner Stadt zu einer Rakete im Internet. Deren steiler Start schien am Freitag abrupt abzubrechen, doch am morgigen Montag wird es weiter gehen für die Jungs – da sind sie sicher. Ich wage eine These: Es wird weiter gehen, weil alles andere Unsinn wäre – und ich weiß auch wie. Meine These, meine Argumente.

Die TV-Produktions- und Vermarktungsfirma Brainpool, die Stefan Raab einst gegründet und die schon aus so manchem Mist einen riesigen Erfolg gebaut hat, wird sich mit den Jungs aus Münster einigen: Ihr dürft weitermachen, wir regeln die Rechtefrage an der Melodie des Songs mit dem Rechteinhaber EMI, geben euch ein paar Prozent des Umsatzes und vermarkten euch mit unseren Instrumenten, die bei TV total anfangen und bei Kontakten in die Plattenindustrie aufhören.

Es gibt auch ein anderes Szenario, doch das wäre ein Schwachsinnsszenario: Brainpool (falls die Firma das überhaupt darf) verbietet den Jungs die Nutzung des Begriffs „Schland“ (es gibt da Markenrechte), setzt auch bei EMI nicht durch, dass die Jungs die Melodie von Lenas „Satellite“ nutzen dürfen – und beendet damit das Spektakel um den Song … NICHT. Denn es hat sich am Freitag schnell gezeigt: Die Jungs der Combo „Uwu Lena“ stellten ihr Video bei YouTube auf privat, den MP3-Download nahmen sie auch vom Netz, doch binnen 30 Stunden hatten sie sich schon so eine Art zerstreuten Fanclub aufgebaut. Und dazu kamen Leute, die das Video „stahlen“ und ihren eigenen YouTube-Channel damit schmücken wollten. Es gab und gibt das Video an mehreren Stellen im Internet zu sehen, es gibt das MP3-File in Tauschbörsen und auf vielen Festplatten in Deutschland. Ein Verbot für die Combo, ihr schnell, aber beängstigend professionell produziertes Zeug wieder online zu stellen, hätte wenig Wirkung.

Klar könnte der Musikverlag hart sein. Man könnte sich dort gekränkt geben, vorher nicht gefragt worden zu sein, den Jungs aus Münster die Verbreitung verbieten und ihnen vermutlich auch noch eine Strafzahlung auferlegen (sie sind Studenten, da wird viel Geld zu holen sein…). Doch dann würde sich EMI der Gefahr aussetzen, als der böse Bube in diesem Spiel abgestempelt zu werden. Und die große Internetgemeinde kann hart sein…

Viel besser wäre doch, mit einer einzigen Erfolgsmelodie noch weiteres – zusätzliches! – Geld zu verdienen. Die EMI produziert „Schland o Schland“, vielleicht zusammen mit Brainpool, beide verkaufen das Ding (so es sich noch richtig erfolgreich verkaufen lässt, schließlich war es schon 30 Stunden kostenfrei zu bekommen), bauen einen Merchandising-Apparat darum herum auf (Shirts, Uwu-Lena-Perücke o.ä.), lassen die Combo bei TV total* und etwaigen Sendungen der Produktionsfirma auftreten und setzen darauf, Deutschland möge schön weit kommen in diesem Turnier. Dann lassen sie sich einmal feiern als die Retter eines lustigen Songs – und wenn er kein durchschlagender Erfolg wird, dann bleibt wenigstens der Retter-Stempel aufgedruckt.

So wird es kommen: Am Montag verkündet die Combo auf ihrer Seite www.schlandrut.de, dass sie bald noch bei TV total im Studio auftreten, dass es das Video auf der Seite selbst und den Download nicht mehr geben wird, aber dass sie bald eine CD produzieren. Ich werde für meinen Arbeitgeber darüber berichten, wir werden sie sogar treffen und eine Geschichte mit ihnen machen. (Yeah!) Dann treten sie bei „TV total“ auf, sie werden in Deutschland gefeiert, der Song wird je nach Erfolg der deutschen Elf erfolgreich – und am Ende haben die paar Jungs aus Münster gezeigt, wie eine coole Idee und ein bisschen Know-How zusammen durch das Internet heute ungeahnte Möglichkeiten eröffnen… ohne dabei großes Geld in die eigene Tasche zu spülen. Ein paar Krümel fallen ab, aber der Kuchen bleibt bei Brainpool, EMI und Co. Wetten?!

Und die Trittbrettfahrer wie dieser hier? Die stören etwas, aber sie werden nicht über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

*Nachtrag am Montag, 12.15 Uhr: Ein freundlicher Leser wies mich darauf hin, dass „TV total“ sich gerade in der Sommerpause befindet und erst nach der WM wieder gesendet wird. Das ist natürlich ein kleines Hindernis – aber vielleicht reicht auch schon die Power von taff, ProSieben-Nachrichten, tvtotal.de und auf was die Brainpooler sonst noch so Einfluss haben könnten.


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One Comment leave one →
  1. HenningB.ausM. permalink
    14. Juni 2010 20:07

    Da sag ich Bingo zur erfolgreichen Prophezeihung! Kann ich mir Deinen Kaffeesatz mal ausleihen? ;)

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