Skip to content

Kirche oder das erste soziale Netzwerk (I)

6. November 2010
Claim einer Web-Werbekampagne des Bistums Osnabrück

Claim einer Web-Werbekampagne des Bistums Osnabrück.

Gottesdienst und das „Handeln am Nächsten“ machen die Kirche für viele Menschen zu dem was sie ist. Doch ist das auch im Internet möglich und vor allem: Ist das überhaupt notwendig? Besonders spannend: der Zusammenhang zwischen den Nutzern sozialer Netzwerke wie Facebook und derjenigen, die sich zunehmend von der Kirche abwenden. Chancen, Gefahren und Versäumnisse – ein Gespräch mit Annika Lippmann. (Von Gastautor Christian Wode)

Jugendliche und junge Erwachsene folgen dem Hype des Web 2.0 und seiner neuen Kommunikationswege. Kann die Kirche hier eine Chance ergreifen und eine Zielgruppe zurückgewinnen, die fast ausschließlich Highlights des eigenen Lebens mit dem Service-Angebot der Kirche verknüpft? Muss die Kirche ihr eigenes Soziales Netzwerk im Internet aufbauen?

Auf diese und ähnliche Fragen gibt es kaum Antworten – jedenfalls nicht in der Literatur. Ich habe Experten/innen befragt, die sich in der kirchlichen Medienwelt auskennen. In dieser Serie sollen Ergebnisse dieser Interviews in diesem Blog präsentiert und kommentiert werden. Pro Ausgabe wird ein Experte herangezogen. Heute: Annika Lippmann.

Die Expertin:

Annika Lippmann

Annika Lippmann

Annika Lippmann ist zuständig für die Online-Redaktion im Bistum Osnabrück. In einer Werbekampagne für den neuen Internetauftritt des Bistums bezeichnet Bischof Franz-Josef Bode die Kirche als erstes soziales Netzwerk der Welt. Zudem ist das Bistum selbst in Facebook aktiv vertreten. Die Verbindung der Botschaft der Kirche mit den technischen Möglichkeiten des Internets sieht das Bistum Osnabrück als großen Vorteil. Es agiert genau an der Schnittstelle zwischen der realweltlichen und der online aktiven Gemeinschaft und zeigt gleichzeitig, wie Social Communitys für eine Gemeinde- (bzw. Bistums-)Arbeit genutzt werden können.

Das Thema:

Wie sich die Kirche im Internet präsentiert

Beispiel: Bistum Osnabrück

kath.de, evangelisch.de und domradio.de – die meisten Menschen, die sich für Kirche und Internet interessieren, kennen diese Internetauftritte. Aber es sind vor allem kleinere und private Initiativen, die sich mit christlichen und religiösen Inhalten auseinandersetzen. Die Macher von frischfischen.de beschäftigen sich mit dem Aufspüren dieser „Kleinen“ um sie einem größeren Publikum zu präsentieren. Entscheidend ist dabei der Gedanke der Vernetzung, der durch das gute alte Prinzip des Schneeballeffekts für größere Reichweiten beim Transport von Inhalten sorgen kann.

Genau dieses Prinzip fasziniert die Mitglieder sozialer Netzwerke wie Facebook. Neben dem heimlichen Lesen fremder Profile ist die Verbindung mit Freunden und (Un)Bekannten eine Hauptmotivation, sich regelmäßig einzuloggen. Auch wenn es manchen wundern wird: Kirchliche Angebote und religiöse Themen sind in Facebook und Co. vertreten.

Aus dem kirchlichen Bereich sind Bistümer, Jugendverbände und Hilfswerke bekannt, die sich auf diese Weise präsentieren wollen. Konkret geht es dabei vor allem um die reine Präsenz, Terminabsprachen und Organisatorisches. Weniger populär sind Gruppen, in denen sich Menschen über Glaubensfragen verständigen.

Annika Lippmann sagt: „Das Internet ist wichtig, um Leute zu erreichen, die man über die Kirche selbst nicht mehr erreichen kann, da sie nicht mehr kommen und nicht mehr am Gemeindeleben und an der Gemeindearbeit teilnehmen.“

Das hat auch Papst Benedikt XVI. erkannt. Beim jährlich stattfindenden Welttag der sozialen Kommunikationsmittel verkündet der Papst seine Medienbotschaft: Dieses Jahr rief er die Priester dazu auf, das Internet zu nutzen, um sich auch an die jüngere Christengeneration zu wenden.

Ein Appell, der trifft. Denn die Online-Aktivitäten der Kirche sind zu verhalten und müssen sich an vielen Stellen verbessern. Das liegt unter anderem an fehlenden Richtlinien für den Umgang mit dem Medium im Sinne der Amtskirche und das mangelnde Verständnis vieler älterer kirchlicher Mitarbeiter für die Nutzung.

Wie es gehen kann, zeigt das Bistum Osnabrück, das bei Facebook und Twitter aktiv ist. Der eigene Internetauftritt wurde rundum erneuert und mit dem Bistumsblog verknüpft (das Bistum hat auch einen Fotostream bei flickr), in dem der Bischof persönlich schreibt, was ihn bewegt. Man will nicht nur diejenigen erreichen, die sowieso kommen – das Bistum will auch Ansprechpartner für Kirchenferne sein.

Annika Lippmann sagt: „Damit das gelingen kann, müssen wir versuchen deren Sprache zu sprechen und nicht unsere interne Kirchensprache.“

Ein wichtiger Punkt, der zu oft nicht beachtet wird. Das Bistum Osnabrück nutzt Werbekampagnen, um auf sich aufmerksam zu machen. Kampagnen, die so frisch wirken, dass man sie der Kirche nicht zutrauen würde. Die Claims der Kampagne: die Kirche als das erste soziale Netzwerk (in Facebook-Type), die ersten Follower (in Twitte-Type), die ersten zehn Gebote (in ebay-Type). Damit ging es in bestehende Communities wie Facebook, dort verwies man auf die Internetpräsenz www.das-erste-soziale-netzwerk.de. Hier ist ein Video von Bischof Franz Josef Bode zu sehen, der die Parallelen zwischen Online Communitys und der katholischen Kirche verdeutlicht.

Für Kritik und Kommentare im Bistumsblog oder der eigenen Facebook-Seite sind die Vertreter des Bistums Osnabrück offensichtlich dankbar. Sie ermöglichen direkte Kommunikation zwischen denjenigen, die sich für das Bistum und die Kirche interessieren, und der Bistumsleitung.

Kirche zum virtuellen Anfassen – eine Möglichkeit des Kontaktaufbaus, die man nach dem Vorbild des Bistums Osnabrück ohne Hemmungen ausleben kann. Beispielhaft!

Mehr dazu:

Autor: Christian Wode

Alle Teile der Serie:

Serie: Wie vernetzt sich die Kirche (weckenbrock.wordpress.com)
Grafik via StepMap

StepMap Serie: Wie vernetzt sich die Kirche (weckenbrock.wordpress.com)
Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: