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Mission 2.0 oder die Fanseite der Kirche (II)

9. November 2010

Mission 2.0 - die Kirche bei Facebook

Mission 2.0 - die Kirche bei Facebook

Stefan Lesting ist Gründer der Gruppe „Katholische Kirche“ in Facebook, darum ist er für diese Serie interessant. Er ist nach eigenen Angaben seit vielen Jahren im Internet unterwegs. Mit sozialen Netzwerken im Internet beschäftigte er sich früh und ist seit deren Siegeszug in verschiedenen Communities aktiv. Sein Antrieb fürs Engagement bei Facebook: Er hat Interesse an der Diskussion und Verbreitung kirchlich religiöser Angebote und Themen. Gastautor Christian Wode lotete mit ihm Chancen einer Mission via Facebook aus.

Kirche, die: Gemeinschaft, die aus der urchristlichen Missionsbewegung entstanden ist und als „Volk Gottes“ in der Welt die Botschaft Jesu Christi verbreiten will.

So oder ähnlich wird Kirche im Lexikon für Theologie und Kirche definiert. Die ersten Christen mussten sich dafür noch die Sandalen unter die Füße schnallen und von Tür zu Tür ziehen. Heute gibt es andere Möglichkeiten. Die Menschen sind mobil und immer erreichbar. Nicht alle, aber viele. Studien wie die des Hans-Bredow-Instituts zeigen, dass vor allem Jugendliche täglich online sind; im Durchschnitt zwei Stunden am Tag. Eine davon verbringen sie in sozialen Netzwerken.

Ist es da nicht mehr als offensichtlich, dass die Kirche ihre Botschaft auch dort unterbringen muss? Ist es nicht ein Leichtes gerade die junge Christengeneration da zu erreichen, wo sie sich sowieso täglich versammelt?

Papst Benedikt XVI. hat offenbar erkannt, dass das Internet ein wichtiges Kommunikationsmittel der heutigen Zeit ist, das auch die Mitarbeiter der katholischen Kirche nutzen sollten – allen voran die Priester (s. die in Teil 1 der Serie erwähnte Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel). So ist mittlerweile klar, dass sich viele Suchende eine offizielle Präsenz der Kirche nicht nur im Internet allgemein, sondern auch speziell in den Netzwerken wünschen.

Die Umsetzung der Vorgaben des Papstes gelingt der Kirche jedoch noch nicht, da viele Geistliche immer noch Vorbehalte, Angst vor dem (oder einfach Unkenntnis über das) Medium Internet zu haben scheinen. Die Experten sind sich einig: Hier werden zum Teil große Chancen vergeben, Interessierte zu kontaktieren, die nicht oder nicht mehr auf dem Kirchplatz anzutreffen sind.

Meine Bestandsaufnahme zum Thema kirchliche Aktivitäten in Facebook macht deutlich, dass Gruppen mit kirchlichen und religiösen Inhalten in der Masse anderer Gruppen und Fan-Seiten untergehen. Von offizieller Seite versuchen sich viele Bistümer am neuen Medium Web 2.0 (vgl. Teil 1 – Bistum Osnabrück). Interessant dabei: Es gibt eine Fan-Seite „Katholische Kirche“ in Facebook. Also hat es die Kirche doch geschafft? Ist der Papst mit gutem Beispiel voran gegangen und hat direkt zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel eine Fan-Seite einrichten lassen? Schön wär’s – und nur dann wäre es so, wenn der Papst Stefan Lesting hieße. Er hat die Seite spontan eingerichtet, da es eine derartige Präsenz zuvor nicht gegeben hat.

Stefan Lesting

Stefan Lesting

Gerade die Fan-Seiten haben laut Lesting in Facebook großes Potenzial. Viele Firmen nutzen sie, um das eigene Unternehmen nach außen zu präsentieren und mit den Kunden in Kontakt zu kommen. Da es keine offizielle Seite der katholischen Kirche gab, sicherte sich Lesting zumindest den Namen und versorgt die Seite seitdem täglich mit neuen Inhalten, die vor allem vom katholischen Nachrichtenportal kath.de, domradio.de oder Privatinitiativen stammen. Dabei kommen Inhalte aus offizieller kirchlicher Hand nicht vor.

Stefan Lesting sagt: „Es gibt keine große Werbekampagne bei Google, es gibt keine große Kampagne der katholischen Kirche auf Plakaten, es gibt keine Produkte, die mit Sticker versehen sind: ‚Wir sind auch auf FB vertreten!‘ Aber es gibt regelmäßige Inhalte und Personen erzählen sich davon, dass es diese Sache gibt.“

Der täglich stattfindende Austausch zeigt, dass es Menschen gibt, die zur Diskussion kirchenpolitischer Themen beitragen wollen und die bereit sind, dazu die Möglichkeiten des Mitmach-Internets zu nutzen. Die Beteiligung ist noch relativ gering, dennoch steigt die Zahl der „Fans“ und damit die Zahl derer, die wenigstens die Inhalte regelmäßig verfolgen, langsam – 1576 Fans zählt die katholische Kirche in Facebook.

Autor: Christian Wode

Mehr dazu:

Weitere Teile der Serie:

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One Comment leave one →
  1. 11. November 2010 12:07

    Wir experimentieren noch.
    Erschwerend ist, dass wir nach der Umstrukturierung im Bistum Essen eine Gemeinde innerhalb einer Pfarrei sind. Hier hat jede Gemeinde eine eigene Homepage, die mehr oder weniger (eher weniger) attraktiv ist. Die Pfarrei hat Angebote, die die Gemeinden oder deren hauptamtliche Mitarbeiter betreffen, aber nicht gepflegt werden. Es mangelt an Vernetzung im Netzwerk.
    Für unsere Gemeindehomepage haben wir festgestellt, dass die Eltern der Erstkommunionkinder die Seiten am meisten nutzen und natürlich die Informationen über Erstkommunion am ehesten anklicken. Jugendliche nutzen die Gemeindehomepage gar nicht.

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