Skip to content

Priester 2.0: Seelsorger, ab ins Netz (III)

23. November 2010
Fischen im Web-Ozean

Fischen im Web-Ozean

Es gibt immer mehr Menschen, die immer häufiger ins Netz gehen. Ein simpler Satz mit simplen Konsequenzen. Er bedeutet für Vertreter einer Idee: Ich muss auch im Netz sein. Gerade dann, wenn ich auf der Suche nach Menschen bin, die meiner Idee folgen. Die Kirche ist seit jeher missionarisch veranlagt. Wie verquer ist es, dass sie und ihre zigtausend Mitarbeiter nur rudimentär im Netz vertreten sind? Dass sie nicht die neuen Kanäle nutzen, obwohl es mit ihnen so großartig einfach ist, eine große Reichweite zu erreichen (wenn man weiß, wie)? Liebe Kirche, mach jetzt den Anfang und schick deine Seelsorger jetzt ins Netz! Ein Beitrag von Gastblogger Christian Wode.

„Die Fische schwimmen nicht dahin, wo der Fischer seine Netze auswirft, sondern der Fischer muss sein Netz dort auswerfen, wo die Fische schwimmen.“

Dieses Zitat ist von Pfarrer Christian Hermes geborgt, der positive Erfahrungen mit dem Business-Netzwerk Xing gemacht hat. Die beschreibt er in der katholischen Medienzeitschrift Communicatio Socialis (Heft 2/2010) in einem Artikel mit dem Titel „Das Netz auf der rechten Seite auswerfen. Erfahrungen eines Pfarrers Europas größtem Business-Netzwerk Xing“. Er tut das, was der Papst neuerdings fordert – er geht ins Netz, um dort mit Gemeindemitgliedern in Kontakt zu treten. Um im Bild zu bleiben: Er ist dort, wo die Fische schwimmen. Um die vom Papst geforderten Dinge umsetzen zu können, braucht die Kirche mehr solcher medienkompetenten Mitarbeiter. Das bedeutet: Eine Medienausbildung für kirchliche Mitarbeiter ist zwingend erforderlich. Das findet auch Internet-Experte Sebastian Berndt.

Sebastian Berndt (KAMP)

Sebastian Berndt (KAMP)

Der Experte

Sebastian Berndt ist Referent für Glaubensinformation und Online-Beratung bei der Katholischen Arbeitsstelle für Missionarische Pastoral (KAMP). Die KAMP beschäftigt sich u.a. mit der Vernetzung pastoraler Mitarbeiter in den Bistümern. Darüber hinaus hat die Arbeitsstelle moderne gesellschaftliche Entwicklungen im Blick und bringt sie mit der Verkündigung der Frohen Botschaft in Verbindung. Ein Arbeitsschwerpunkt der KAMP ist die Internetseelsorge und -beratung. Hierfür ist Berndt zuständig.

Sebastian Berndt sieht das Problem der fehlenden Medienkompetenz weniger bei der jüngeren Priestergeneration. Diese nutzt das Internet bereits und gehört vermehrt zur Gruppe der digital natives. Der Aufruf des Papstes an die Priester, das Internet stärker zu nutzen, muss aber auch die älteren Priester erreichen – denn deren Gruppe ist die weitaus größere. Berndt sagt, diese müssten das Medium „[…] als Mittel zur Seelsorge nutzen, um Kontakte zu pflegen, die sie normalerweise nicht hätten.“ Es geht dabei um Fische, die ihre Netze nicht einmal von weitem sehen.

Dass es religiös interessierte (Privat-)Menschen gibt, die ihre Themen innerhalb der Communities platzieren, habe ich bereits in Teil 2 dieser Serie erwähnt. Für die Priesterschar heißt es jetzt: nachziehen! Geht auf eure Gemeindemitglieder zu – auch im Netz (und fangt bloß nicht an, irgendjemandem Facebook zu verbieten, wie es eure Kollegen aus den USA tun).

Bei vielen ist die Angst vor Kritik und Missbrauch des Kommunikationskanals noch zu groß – mit einem eigenen Facebook-Profil macht man sich schließlich angreifbar – gerade als Vertreter der Institution Kirche.

Sebastian Berndt sagt: „Das ist vielleicht auch ein Punkt, warum viele davor zurückschrecken. Dort wird die Kirche mit Meinungen konfrontiert, mit denen sie sonst nicht konfrontiert wird, weil diejenigen, die diese Meinungen haben, einen weiten Bogen um die Kirche machen. Und wenn sie dann irgendwo so eine Stelle finden, wo sie anonym ihren Frust abladen können, dann werden sie das auch nutzen – das tun sie ja schon.“

Gerade diese Tatsache bereitet einem offiziellen Auftreten kirchlicher Mitarbeiter im Web 2.0 Schwierigkeiten. Das gilt es im Vorhinein zu bedenken. Darum ist Aufklärungsarbeit und eine Entwicklung von Richtlinien, die Formulierung einer Strategie, elementar wichtig. Vielleicht geht die Arbeit der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral (KAMP) in diese Richtung.

Hier beschäftigt sich Sebastian Berndt unter anderem mit Fragen der Verkündigung und Seelsorge im Internet. Damit agiert er genau an der Schnittstelle zwischen kirchlichem Online- und Offline-Leben. Im Bereich Internet bietet die KAMP auf der einen Seite Beratung, auf der anderen Seite will sie Glaubensinformation ins Netz bringen und dort platzieren, wo sich Menschen versammeln.

Durch die Entwicklung des Internets zum Web 2.0 haben einige Verschiebungen stattgefunden. Viele Kommunikationswege wurden neu erschlossen. Hierin sieht Berndt eine Chance für jede einzelne Pfarrgemeinde – sie muss nur entschlossener ergriffen werden.

Sebastian Berndt sagt: „Das Problem des Internets ist weniger die Gemeinschaft als vielmehr die Gemeinschaft zusammenzuhalten. Aber es bietet auch zahlreiche Chancen für die Wahrnehmung: Es gibt mehr als das, was wir in unserer alltäglichen Erfahrung in unserer Gemeinde für die Realität halten.“

Der Autor

Christian Wode hat im Sommer 2010 in Münster sein Studium der Theologie mit dem Diplom abgeschlossen. In seiner Diplomarbeit ist er der Frage nachgegangen, welche Potenziale für die Kirche im Web 2.0 stecken. Er lebt jetzt in Hamburg.

Die Serie

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: