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Scheitert die katholische Community? (IV)

25. November 2010
cathoo.net: Gescheitert schon vor dem Start?

cathoo.net: Gescheitert schon vor dem Start?

community.katholisch.de, cathoo.net oder wie auch immer – eigentlich sollte das Facebook für Katholiken an den Start gehen und in katholisch.de implementiert werden. Dieses Vorhaben scheint jetzt aber zu scheitern. Ein Beitrag von Gastblogger Christian Wode.

Wie aus einem Blogeintrag der BDKJ hervorgeht, hat die Bischofskonferenz das Projekt vorerst auf Eis gelegt. Zumindest wird es keine Ankoppelung an katholisch.de geben. Ein Rückschlag für die Bertelsmann-Stiftung, die das Projekt gefördert und mit entwickelt hat. Die Gründe für den Stopp sind noch nicht bekannt.

Der Name der Community stand mittlerweile fest: „Das Hauptportal der Community wird nun Cathoo.net heißen. Der Name Cathoo erinnert an das englische Wort ‚catholic‘ in Verbindung mit den für das Internet typischen zwei oo“, so lautete eine Mitteilung des Admin-Teams der Community. Doch auch nach einer mehrmonatigen Testphase hat es scheinbar keine Weiterentwicklung des Vorhabens gegeben. Die von vielen erhoffte Entstehung eines Expertennetzwerks von kirchlich/religiös Interessierten am und im Web 2.0 ist nicht gelungen (Bericht zum Start der Testphase). Offen bleibt, was nun aus dem bisher bestehenden Netzwerk wird.

Viele Internetnutzer haben sich ohnehin gefragt, worin der Mehrwert eines offiziellen Netzwerks der Katholischen Kirche liegt. Die Vorteile dieser „special-interest-Lösung“: Unabhängigkeit (sowohl technisch als auch inhaltlich) und die Zuspitzung auf eine bestimmte Zielgruppe. Die Nachteile: ein stark eingeschränkter Kreis potenzieller Nutzer und ein erheblicher Kostenaufwand. Würde man stattdessen bestehende Netzwerke nutzen, könnten diese Ausgaben minimiert werden. Facebook, WordPress und Co. bieten schließlich ihre Dienste weitgehend kostenlos an. Zudem schenken die meisten Nutzer ohnehin bereits zwei Netzwerken ihre Aufmerksamkeit. Wer aber will in ein drittes, ein viertes, ein x-tes Netzwerk?

Andere Beispiele zeigen außerdem, dass stark interessenbezogene Netzwerke keinen großen Zulauf haben. Beispielhaft sei die Messdiener-Community ,Co-mini-ty‘ genannt. Zwar hat man eine hohe Mitgliederzahl erreicht, die Aktivität jedoch ist dermaßen gering, dass der Anreiz für eine Anmeldung fehlt. Aus vielen Communities – das bekommen auch die großen VZ-Netzwerke zu spüren – wandern die Nutzer nach und nach zu Facebook ab. Es sieht so aus, dass daneben nur ganz wenige fortbestehen können.

Bei der von Kirche und Bertelsmann geplanten Community handelt es sich zudem um ein „top-down-Angebot“, das zu den hierarchischen Strukturen der Kirche, nicht aber zur Philosophie des Web 2.0 passt – dieses ist vom „bottom-up“ geprägt.

Es geht nicht darum, die Schließung eines cathoo.net an dieser Stelle zu fordern. Auch soll das Begräbnis dieses Versuchs nicht besungen werden. Vielmehr muss eine Lösung her, die nicht aufgesetzt wirkt. Das Gelingen einer eigenen katholischen Community im Internet hängt somit von einer deutlichen Definition der Ziele eines solchen Angebots ab.

Für die von mir befragten Experten wäre eine Mischung aus Neuem und Bestehendem ideal. Als positives Beispiel gilt Café fair on air im pastoralen Raum Biedenkopf, wo ein Pastoralreferent bei ning eine eigene Community für seine Gemeinde aufgebaut hat. Zuvor testete er die Möglichkeiten von wer-kennt-wen.

Der Ruf nach der Vernetzung bestehender Inhalte und gelingender Initiativen wie FRISCHFISCHen.de oder Sendezeit mit offiziellen Web-2.0-Aktivitäten von Bistümern und Gemeinden dürfte angesichts der letzten Entwicklungen der „katholischen Community“ lauter werden. Man darf jedenfalls gespannt sein auf die Ergebnisse der Tagung der Deutschen Bischofskonferenz für InternetredakteurInnen, die momentan in München läuft.

Der Autor

Christian Wode hat im Sommer 2010 in Münster sein Studium der Theologie mit dem Diplom abgeschlossen. In seiner Diplomarbeit ist er der Frage nachgegangen, welche Potenziale für die Kirche im Web 2.0 stecken. Er lebt jetzt in Hamburg.

Die Serie

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3 Kommentare leave one →
  1. SSchmid permalink
    26. November 2010 22:00

    Co-mini-ty eine geringe Aktivität – woher kommt denn diese Information?

  2. Christian Wode permalink
    27. November 2010 13:48

    @SSchmid Die Information kommt von Mitgliedern der Co-mini-ty und deren Freunden, die mir ihre Erfahrung(en) geschildert haben. Sollte ich Zahlen erfahren, die das Gegenteil beweisen, nehme ich diese Behauptung gerne zurück.

Trackbacks

  1. Pax et bonum » Gescheitert?

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