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Fünf Thesen: Die Kirche und das Web (V)

17. Dezember 2010
Da ist noch Platz fürs Kreuz.

Da ist noch Platz fürs Kreuz.

Social Media hat mittlerweile einen viel größeren Zulauf als einschlägige XXX-Seiten im Netz. Die Vorstellung „Im Internet gibt es nur Sex und Gewalt“ ist längst überholt. Auch kirchliche Mitarbeiter und Offizielle haben erkannt, dass Motive wie persönlicher Austausch, Meinungsäußerung und Vergemeinschaftung von zentraler Bedeutung bei vielen Netznutzern sind. Doch noch immer gibt es Vorbehalte, noch immer wird das Internet von kirchlicher Seite oft eher als Fluch denn als Segen verstanden. Sicherlich sind Gefahren mit der Nutzung des Web 2.0 verbunden – aber dass eine Mediennutzung für die Kirche und die Gemeindepastoral durchaus von Relevanz ist, sollte spätestens durch diese Serie im weckenblog deutlich geworden sein. Zum Abschluss fünf Thesen. Ein Beitrag von Gastblogger Christian Wode.

Insbesondere die Botschaft des Papstes zum 44. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel hebt die Bedeutung des Internets für die Kirche hervor und kann als positives Signal gewertet werden, was die Nutzung von Social Media-Angeboten für die Kirche angeht. Doch hilft alles reden nicht, wenn die Dinge nicht umgesetzt werden.

Bei meiner Serie und im Rahmen meiner Diplomarbeit komme ich im Ergebnis zu diesen fünf Thesen:

  1. Die kirchliche Basiskommunikation muss durch verschiedene Aspekte einer Web-2.0-Kommunikation ergänzt werden.
  2. Der Aufbau eines eigenen katholischen Facebook, eine Art Kopie für eine special-interest-group, ist gescheitert (vgl. Teil 4 der Serie).
  3. Der Weg über die vorhandene Infrastruktur ist leichter und deshalb der, der beschritten werden sollte. (Wie es etwa das Bistum Osnabrück tut.)
  4. In den Communitys geht es um Unterhaltung und Entspannung – kirchliche Einrichtungen, Verbände sowie Gemeindegruppen sollten auf ihr Programm und ihr Angebot aufmerksam machen und keine Vermittlung konkreter Inhalte erwarten.
  5. Es geht nicht um eine „Online-Missionierung“, sondern vielmehr um das Erreichen eines bereits versammelten und interessierten Publikums.

Beachtet die Kirche diese Ergebnisse, so kann sie das Modell der Nahraumpastoral erweitern, das sich auf die Arbeit Hauptamtlicher einer Ortsgemeinde beschränkt. Die Pfarreistruktur muss sich insofern ändern, als dass sie die Mitarbeiter der Kirche zu neuen Kommunikationswegen zwingt. Die Möglichkeiten, die die simple Kommunikation in Sozialen Netzwerken bietet, sind sowohl für diejenigen interessant, die in einer Kirchengemeinde aktiv sind und sich über die sie betreffenden Themen austauschen oder Organisatorisches klären wollen, als auch für diejenigen, die einen Erstkontakt zur Gemeinde herstellen wollen oder sich über bestimmte Inhalte und Aktivitäten informieren möchten. So kann die Kirche Menschen ansprechen, die trotz eines Grundinteresses zunächst auf direkten Kontakt, also eine face-to-face Kommunikation, verzichten. Für sie braucht es den neuen Weg, am Gemeindeleben teilzuhaben – sonst sind sie gar nicht zu gewinnen.

Kommunikation im Netz erhöht die Identifikation mit der eigenen Gemeinde. Denn insgesamt – das ergaben auch meine Expertenbefragungen – ist ein offener Umgang miteinander für die Akteure innerhalb sozialer Netzwerke leichter möglich.

Ein konkretes Beispiel: Die Zahl der Mitglieder der katholischen Kirche und damit die Einnahmen über die Kirchensteuer ist seit Jahrzehnten rückläufig. Ähnlich verhält es sich mit der Zahl der Priesteramtsanwärter (Eckdaten der Deutschen Bischofskonferenz, Vgl. 1990 – 2009). Dadurch sieht sich die Kirche dazu gezwungen, die Zahl ihrer Gemeinden nach unten anzupassen. Aus mehreren kleinen Pfarrgemeinden werden Fusionsgemeinden mit Filialkirchen. Diese Fusionsprozesse sind für viele Gläubige schmerzhaft, sie bedeuten einen Verlust von Heimat. Es entsteht ein gedanklich, aber auch räumlich größerer Abstand zu anderen Gemeindemitgliedern, zu Seelsorgen und zum Gotteshaus selbst. Im Internet fällt die Distanzbarriere.

Kein Ersatz – aber eine notwendige Ergänzung

Sicherlich ist nicht zu erwarten, dass die innerkirchliche Kommunikation ausschließlich auf Social Communitys verlagert und dadurch das bestehende Angebot der Ortsgemeinde ersetzen wird. Das kann weder der Hintergedanke noch das Ziel sein, wenn es um den Einsatz dieses Kommunikationskanals geht. Dieser neue Weg sozialer Kommunikation kann jedoch nicht zuletzt durch die Mischung aus technischen Möglichkeiten sowie dem Einsatz und Willen der Akteure unterstützend wirken, wenn es um Vergemeinschaftung und die Verbreitung des Evangeliums geht. Einhergehend wäre womöglich auch eine Umkehr der oft negativen Einstellung innerhalb der Online-Communitys zur Kirche und ihren Tätigkeiten.

Für die katholische Kirche ist es überfällig, zusammen mit Experten ein Konzept zu erarbeiten oder bestehende Konzepte – wie bspw. im Bistum Osnabrück – weiterzuentwickeln und auf die Fläche auszuweiten. Die Experten sind bereit und motiviert. Ist es die Kirche auch?

***

Der Autor

Christian Wode hat im Sommer 2010 in Münster sein Studium der Theologie mit dem Diplom abgeschlossen. In seiner Diplomarbeit ist er der Frage nachgegangen, welche Potenziale für die Kirche im Web 2.0 stecken. Er lebt jetzt in Hamburg.

Die Serie

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