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Es gottschalkt

24. Januar 2012
Gottschalk live, die zweite Ausgabe (Quelle: ARD Mediathek)

Gottschalk live, die zweite Ausgabe (Quelle: ARD Mediathek)

Ja, auch ich habe gegottschalkt. Wie am ersten Tag mehr als 4 Millionen andere Zuschauer, nur zeitversetzt. Gottschalk live: Name einer Sendung, der schlicht ist, einfach, auf den Hauptdarsteller ausgelegt. Gottschalk live: ein Format, das vielleicht nicht zu einer „Muss-man-gesehen-haben“-Veranstaltung gereichen wird, aber eines, das anders ist, darum eigentlich so gar nicht ins Vorabendprogramm eines großen öffentlich-rechtlichen Senders passt – aber gerade deshalb, gerade, weil es bricht mit Traditionen, dort genau richtig ist.

Ich habe mir gerade in der Mediathek die erste und die zweite Ausgabe dieser Sendung von gestern (Montag) und heute direkt nacheinander angesehen. Und ich muss sagen: Das Format hat Charme. Die Idee, interaktiv mit den Zuschauern, im Prinzip Mitspielern, zu werden, ist nicht neu, aber gut. Eine Live-Sendung, in deren Verlauf ich möglicherweise in Realtime via Web eingreife, das bleibt für mich auch nach über drei Jahren Twitterzugehörigkeit faszinierend. Auf dem TV-Bildschirm sehe ich eine Redaktion, die in der gleichen Zeit, in der ich sie sehe, möglicherweise auf meinen Tweet antwortet – das bleibt irgendwie verrückt. Vielleicht ist es das schon in ein paar Jahren nicht mehr. (Meine Tweets meine ich nur theoretisch, denn ich habe die Sendung wie gesagt nicht live, sondern relive gesehen.)

Gottschalk hat nach seiner ersten Sendung heftige Kritik (z.B. Süddeutsche, SpOn, Focus, Sammlung auf meedia.de) abbekommen. Kritik, die sich vor allem an der Platzierung der Werbeblöcke ausließ. Ich habe die Sendung in der Mediathek gesehen und mochte kaum glauben, dass nach einer Frage Gottschalks und der halben Antwort von Bully schon wieder die Jinglemusik anlief. Die Kritiker stießen sich aber auch an Gottschalks Egozentrik. Blöd gefragt: Wer hätte das anders erwartet? War es bei „Wetten, dass…?“ in den letzten Jahren etwa anders? So ist er eben, der Gottschalk. So ist auch Harald Schmidt, so wollte auch Oliver Pocher sein, so ist auch Stefan Raab. So muss man sein, wenn man eine Sendung macht, die den eigenen Namen trägt.

Dem Ansatz, mit dem Zuschauer zu kommunizieren, kann Gottschalk selbst in der Sendung kaum nachkommen. Das kann nur die Redaktion um Hashtag-Caro für ihn übernehmen. Aber ich bin gespannt auf die ersten richtig interaktiven Aktionen, die live laufen. Da war die Krawatten-Nummer hoffentlich nur ein Anfang. Und ich bin gespannt, ob Caroline Danz zur heimlichen Heldin des Formats aufgebaut wird (Gottschalk: „Du hast heute schon ein bisschen mehr wie ein Model. Nicht, dass du irgendeinem Schönheits-Wahn erliegst. Du bist für mich, du bist mein Hashtag.“)

Werde ich mir die Sendung noch mal, womöglich sogar regelmäßig angucken? Ab und zu ja, regelmäßig sicher nein. Auch, weil mich das in der zweiten Folge zu präsente Gequatsche mit Prominenten nicht bindet – das ist mir einfach zu belanglos, selbst irgendwelche Anekdoten von Franz Beckenbauer, der mich immerhin noch mehr interessiert als Bully oder Wenders oder Rohde. Trotzdem hat die Sendung mindestens ein Gutes: Sie experimentiert mit neuen Medien und Interaktion, mit Quick-and-dirty-Schulterkamera-Style und einer Intimität vorgaukelnder ausstrahlender Studiogestaltung; und das nicht irgendwo in Fernseh-Hinterzimmern wie bei „ZDFneo“ oder „EinsFestival“ oder zu später Stunde wie „ZwWdF“ – sondern da, wo „Normalo-Publikum“ zusieht: im Ersten, vor der 20-Uhr-Tagesschau. Das ist lobenswert mutig, und ich wünsche mir einen langen Atem dafür.

P.S.: Auf dem Flügel hat Gottschalk am Ende der zweiten Ausgabe zu den Eisbär-Bildern nicht selbst geklimpert, oder? Das sah mir nach einem schlimmen Fake aus.

Es gab viel zu lesen gestern und heute über „Gottschalk live“. Das aus meiner Sicht interessanteste:

Aktualisierung am Mittwoch: Die Quote bricht heftig ein, schreibt meedia.de – Gottschalk live hatte am zweiten Tag nur noch etwas mehr als halb so viele Zuschauer wie am ersten.

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