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Israel und Gaza – und ihr neuer News-Weg zu mir

18. November 2012
Newsrack: Mein Israel-RSS-Reader

Aktueller Ausschnitt aus dem RSS-Reader-Ordner zu Israel und Palästina.

In Nahost ist seit fünf Tagen der altbekannte kalte wieder zu einem heißen Konflikt geworden: Israel geht gegen die Raketenbeschüsse aus Gaza vor und schießt zurück. Selbst der Einmarsch von Bodentruppen ist offenbar angedacht. Es ist schlimm und traurig, dass jetzt wieder Menschenleben für einen schier unlösbaren Sach-Konflikt geopfert werden – aber das soll hier nicht das Thema sein. Das Thema ist, wie die Nachrichten aus Nahost zu mir kommen. Interessanterweise hat sich da ein neuer Weg aufgetan, der die alten Wege ergänzt – und zum Teil verdrängt.

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich in einem Urlaub vor allem Israel und ein bisschen Palästina kennengelernt. Ich habe Tel Aviv und Jerusalem, die Golan-Höhen und die Gegend um den See Genezareth, die Wüste Negev und das Tote Meer bereist. Ich war begeistert von der Landschaft, von ihrer kulturellen, historisch(-religiös) begründeten Magie, aber auch fasziniert (manchmal auch genervt) vom (schwierigen) Zusammenleben von Juden und Arabern, vor allem auf dem engen Raum, den die heilige Stadt Jerusalem binnen der Stadtmauern dafür offeriert. Seitdem kann ich besser verstehen, was da abgeht und warum. Und mein Interesse ist geschärft: Ich fühle ein bisschen mit den Menschen, die in Israel und Palästina leben. Darum bin ich auch seit einer Woche extrem neugierig auf alles, was berichtet wird über Raketenbeschüsse, Bombenalarme und Armeereservisten-Zusammenführung. Dabei beobachte ich bei mir eine neue, bequeme Art des Nachrichtenkonsums.

Nach meiner Rückkehr aus Israel habe ich mir im Google Reader, den ich seit einigen Jahren vor allem für Medienwandel-Zeugs nutze, eine Israel-Newsecke angelegt. Darin sind fünf, sechs Blogs von Nachrichtenleuten in Israel, aber auch das Israel-freundliche und touristisch orientierte deutsche „Israel Magazin“. Die Nachrichten-Ecke plätscherte mit eins, zwei Einträgen pro Tag ein Jahr lang so dahin. Es ging um Themen wie die mehrteilige Serie „Wo gibt es den besten Humus?“ oder um „Ankie Spitzer – 40 Jahre Olympia-Massaker in München“. Es ging um die Arbeit des ARD-Korrespondenten Richard C. Schneider, der hinter die Kulissen seiner eigenen Arbeit in Tel Aviv blicken lässt („Dies ist die Dachterrasse, von denen wir die ‚Lives‘ schalten werden, wenn es in Israel kracht.“). Es ging um das Leben in kleinen jüdischen Siedlungen in der Westbank oder um die gespenstische Stille an „Jom Kippur“. Es ging ruhig zu. Doch dann kam der 15. November 2012 und die Tötung des Hamas-Führers Ahmed Jabari. Seitdem geht es ab.

Binnen kurzer Zeit füllte sich mein RSS-Reader mit Einträgen von ARD-Korrespondenten aus Nahost. „Angriffe von beiden Seiten – Ein neuer Krieg im Nahen Osten?“ von BR-Journalist Markus Rosch zum Beispiel, diverse Live-Schalten von ARD-Mann Richard C. Schneider in Tagesschau und Tagesthemen als Video-Embed, „Angst vor neuem Krieg“ von Rosch, oder die „Raketen im Schlafzimmer“ von Schneider, der schildert, dass er nicht wisse, ob seine Wohnung in Tel Aviv während seiner Arbeit in der Redaktion möglicherweise von einer Rakete getroffen wurde.

Ich lese das alles, ich schaue mir die Video-Schalten an – und ich spare mir die Lektüre von anderen Nachrichten-Lieferanten wie Zeitungen, wie Internetportale oder die üblichen heute- und Tagesschau-Sendungen. Ich habe das alles schon irgendwo gesehen. Und zwar aus erster Hand, schnell, nicht immer rechtschreibfehlerfrei, aber authentisch.

Klar, die „Blogger“, die dort Nachrichten liefern, sind keine nativen „Blogger“, sondern Journalisten-Profis – vor allem die üblichen von Öffentlich-Rechtlichen Sendern bezahlten Korrespondenten, die nach monatelangem Herumdümpeln in Israel und dem ungriffigen kalten Konflikt (und gefühlt: dem Warten auf den großen Knall) nun in eine heiße Phase kommen; nun richtig hart arbeiten müssen, mehrere Schalten und Beiträge pro Tag liefern. Sie schaffen es, mir in ihren Blogs Nähe zu transportieren. Sie kommen mir nach einem Jahr schon fast wie alte Bekannte vor. Sie geben dort mehr Hintergründe preis als man sie woanders findet – auch abseits der aktuellen in Nachrichtensendungen eher gefragten Opfer-Statistik und politischer Aussagen von Netanjahu und Co. -, und liefern mir überdies ihre Nachrichten via RSS-Feed in den Reader. Ich muss nicht danach suchen, ich muss nicht die Tagesschau gucken und „hoffen“, dass der Konflikt der Aufmacher sein wird. Mein Tag hat nur 24 Stunden, von denen ich sieben schlafen, zehn arbeiten muss und etwa eine Stunde Zeitung lese. Das restliche Zeitbudget ist knapp; und die Angebote konkurrieren. Gerne nehme ich mir da heraus, von Leuten beliefert zu werden, von denen ich weiß, dass sie Dinge senden, die mich interessieren werden.

Und doch hat es meine abonnierte Tageszeitung (für die ich selbst arbeite, allerdings nicht in der zentralen Mantel-Nachrichtenredaktion) am Samstagmorgen geschafft, mir auf Papier etwas anzubieten, das ich so noch nicht gelesen hatte: einen Korrespondentenbericht aus Gaza und Tel Aviv, der sich mit dem Schicksal und der Angst der Menschen vor Ort beschäftigte. Bedrückend und höchst lesenswert!

Die interessantesten Blogs aus meinem Reader im Überblick: 

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