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Bürger baut Stadt – stylish, nutzwertig, sympathisch #rp13

8. Mai 2013

Bürger baut Stadt bei Stand, Land, Code Tag 3 hat meine bisherige Lieblingssession gebracht: gar nicht gr0ß auf irgendeiner Bühne, sondern einfach nur mal am Stand von NewThinking in der Halle. Dort stellten einige Projekte der Initiative „Stadt Land <Code>“ ihre Arbeiten vor. „Ernte teilen“ ist eines der Projekte – aber vom Hocker gerissen haben mich zwei Mädels aus Berlin, die zusammen „Bürger baut Stadt“ entwickelt haben.

Dabei geht es um ein Projekt, das dem Bürger die Bauvorhaben in seinem Stadtteil, oft direkt an der nächsten Straßenecke, erklärt – und das vernünftig visualisiert und einfach nutzbar. Hintergrund ist das in den Amtsblättern dieser Welt schlummernde Datenmaterial, das kaum vom Bürger wahrgenommen wird. Wer – außer er ist Rentner – hat (oder nimmt sich) schon die Zeit, ins Rathaus zu laufen, sich das Amtsblatt abzuholen oder es dort einzusehen, um verklausulierte Einträge zu studieren, aus denen Termine für Planfeststellungsverfahren, Ausschreibungen für Bauvorhaben und dieses ganzes Zeug hervorgehen? Niemand. Nicht, weil es die Anwohner nicht interessieren würde, was bei ihnen an der Straßenecke geplant ist – einfach nur, weil es a) zu aufwändig ist, die Infos zu bekommen und b) diese auch noch unappetitlich serviert werden.

Die Überlegung der beiden jungen Damen: Machen wir diese Daten optisch „sexy“, dann sind damit auch gleichzeitig die darin verborgenen Inhalte sexy. Dadurch erreichen wir eine bessere Bürgerinformation, dadurch ein tendenziell höheres Einmischpotenzial („Was ich nicht weiß, das macht mich nicht heiß“) und dadurch eine größere Bürgerbeteiligung. Großartig!

Stadt, Land, Code

In ländlichen Regionen und kleineren bis mittleren Städten läuft die Bürgerinformation heute noch über die örtliche Lokalzeitung (es sei dahingestellt, auf welchem Kanal: print oder digital). Dort wird jedes mittlere Bauvorhaben durch Ausschuss- und Ratssitzungen getrieben – und über jede Ausschusssitzung wird berichtet. Es gibt Ortsbegehungen durch Parteien, Journalisten schauen in die Ratsinformationssysteme oder holen sich die Vorlagen aus dem Rathaus ab. Sie filtern diese Informationen (mehr oder minder) professionell, und das wichtigste, das Filtrat landet beim Leser. Der bekommt also eine Grundversorgung: die Landmarken. Dann, wenn das Bauprojekt geplant ist, wenn es politisch diskutiert wird, wenn es zum Baustart kommt, wenn Richtfest ist. Problem hier: Das ganze kommt mit etwas Verzögerung oder gefiltert beim Bürger an; die Quelle wird oft nicht appetitlich und erreichbar offen gelegt – oder besser: An die Quelle heranzukommen ist mit größerem Aufwand verbunden (siehe oben); die Schwelle ist recht hoch.

In Ballungsräumen ist die Situation anders: Da gibt es häufig (noch) keine Nachrichtendurchdringung bis runter auf die sublokale Ebene. Darum ist „Bürger baut Stadt“ ein sehr gutes Projekt für Berlin, ein gutes für den Rest Deutschlands. Die beiden jungen Damen haben es geschafft, mit ihrer Gestaltungskraft das ganze dermaßen ansprechend zu servieren, dass man ihnen nur Komplimente machen kann und sich verwundert die Augen reibt, wenn man hört, dass sie daran zu zweit (mit Unterstützung Dritter) und erst seit vier Monaten intensiv arbeiten – nebenher zu ihrem Hauptjob: Joanna Dauner, die laut dem projektbegleitenden Blog zuständig für alles ist, was mit Gestaltung zu tun hat, und Magdalena Noffke, deren Aufgabe die Programmierung der Seite ist. Nach „Frankfurt gestalten(das offenbar leider nicht mehr existiert) ist nun ein neues, optisch sehr ansprechendes Projekt entstanden, das sich allein auf Bauvorhaben fokussiert und toll designed ist.

Ein anderes Projekt von Joanna Dauner Marlene Kettner, die auch den Film animiert hat: Badestellen in Berlin. Tolles Design – Klicktipp!

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