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Wie muss Lokaljournalismus sein? #rp14

6. Mai 2014

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Was fehlt dem Lokaljournalismus, wie wir ihn lange kannten? Diese Frage hat mir bei der re:publica 2014 Juliane Wiedemeier aus ihrer Sicht beantwortet (weil ich sie darum gebeten habe!). Sie arbeitet selbst als Lokaljournalistin – aber nicht für ein Medium der herkömmlichen Art. Man würde sie als Lokalbloggerin bezeichnen. Sie macht Nachrichten für einen Stadtteil Berlins. Und ich mag ihre Ansichten.

Juliane Wiedemeier hat ganz klassisch volontiert – bei einer regional-lokalen Abonnementzeitung, einem herkömmlichen Verlag in ganz alterhergebrachten Lokalredaktionen. So wie ich also. Sie hatte davon aber irgendwann die Nase voll und schrieb noch jüngst in ihrem Blog einige Gründe nieder: Sie möchte diese lokal enge Verbindung von Journalist und Entscheidungsträger nicht mehr, möchte nichts über Schützen- oder Kaninchenzüchtervereine lesen (oder schreiben). Sie möchte nichts aus der Vergangenheit legitimiert wissen. Sie möchte keine Lobhudeleien auf den Bürgermeister und keine unmotivierten Freisteller in Zeitungen, nur weil man es eben kann.

Darum macht sie all das heute nicht mehr. Juliane Wiedemeier hat sich entschieden, diese Zeit dadurch hinter sich zu lassen, dass sie das Medium gewechselt hat. Sie hat sich als Journalistin selbständig gemacht, aber nicht, um den Lokaljournalismus hinter sich zu lassen: Sie arbeitet jetzt für die Prenzlauer Berg Nachrichten. Jetzt würde die Medienszene sagen: „Ah, Lokalbloggerin.“ Sie selbst sagt: Nein, Lokaljournalistin. Sie will ihre Arbeit abgegrenzt wissen zur Bloggerei, die sie selbst ab und an betreibt und die in sich sehr meinungsgetrieben sei. „Prenzlauer Berg Nachrichten“ hingegen versteht sich als Nachrichtenseite, für die sie intensiv journalistisch recherchiere. Und in den Nachrichten, die sie veröffentlichen, ist das auch so.

Eine Geschichte am Tag, das ist die Mindestfrequenz auf dem Nachrichtenportal für den Berliner Stadtteil der besser Situierten. Es dürfen auch mal zwei sein. Aber hinter allem, was veröffentlicht wird, steht dem Eigenanspruch nach die saubere Recherche. Unfälle, Katastrophen? Kein zentrales Thema für die Macher der Seite. Die Lebenswelt der Menschen, der Stadtteil und was ihn ändert oder ihn so bleiben lässt, wie er ist: Das ist die thematische Klammer.

Ich habe mich mit Juliane Wiedemeier unterhalten, weil ich ihren Blogpost und ihre Ansichten darin interessant fand – und weil sie auf dem Podium bei der re:publica zum Thema „Into the Kiez“ über lokale Web-Nachrichtenseiten so leidenschaftlich und mit Freude von ihrer Arbeit sprach.

Unser Interview:

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