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Multimedia-Storytelling leicht gemacht – wenn man weiß wie… #r14

7. Mai 2014

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Für mich war das der Scoop des Starttages: Der Westdeutsche Rundfunk stellt ein Tool vor, mit dem man Multimedia-Storytelling machen kann – und twittert: „Pageflow für alle! Unser Tool gibt’s jetzt kostenlos als Open-Source-Projekt“. Wie bitte? Der WDR entwickelt was und macht das dann als Open Source zugänglich? Kann ich und zum Beispiel ambitionierte Verlage das Tool bald auch fürs Geschichtenerzählen nutzen? Ein Kracher! Ich sprach mit einem der Macher.

Pageflow ist super: Mit dem Tool kann man Reportagen multimedial erzählen (wie hier zur rp14 oder zum Revierderby), indem man großformatige Fotos, Videos und Audios zusammenbringt, sie in einer vertikalen Navigation dem Nutzer anbietet. Beeindruckend dabei ist die vollformatige Darstellung, das Text-im-Bild-Modul und die Video-Loops, die man statt eines Fotos in den Hintergrund legen kann (Tipp: einfach mal das Einstiegsbild dieser Reportage 20 Sekunden lang ansehen – perfekt!).

Der WDR hat das Tool zusammen mit Codevise für seine Bedürfnisse entwickelt und realisiert. Ein zentraler Bestandteil der Anforderungen: Das System soll es relativ einfach machen, die Reportagen zu bauen. Mit Bordmitteln, ohne Progammierkenntnisse, für Redakteure.

Das ist der Rundfunkanstalt gelungen: Auf einem Panel bei der re:publica 2014 stellten Stefan Domke und David Ohrndorf (Projektmanager, freie Journalisten) Pageflow vor, erzählten dabei aus der Entwicklungsphase und zeigten auch das Backend des Werkzeugs, also das System, in dem man die Geschichten zusammenbaut. Verblüffend: Die Schmiede Codevise hat das Tool so gebaut, dass es fast komplett nach Wysiwyg-Methode zu nutzen ist: Man sieht während des Bauens schon, wie es am Ende aussehen wird, und hat ein ganz simples Menü, um Fotos, Videos und Text zu bearbeiten. Dafür gibt es eine selbsterklärende Eingabemaske, die gleichzeitig relativ wenig Spielraum lässt: So kann ein Redakteur nichts kaputt machen oder Wildwest-Schriftarten einbauen.

So sieht das Backend aus – fast wie das Frontend:

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Das Design der Reportagen ist für den Nutzer intuitiv. Nach kurzer Zeit hat man verstanden, wie man durch die Geschichten navigiert, man findet zudem ein bewusst klein gehaltenes Menü. Dazu kommt die strenge Anforderung, responsiv zu sein: Pageflow-Reportagen sollten auf allen einschlägig genutzten Endgeräten funktionieren und gut aussehen: am PC, am Smartphone und auf dem Tablet. In Lean-Back-Haltung macht das konsumieren dieser Art von Geschichten am meisten Spaß.

Das ganze Thema hat einen Pferdefuß: Es benötigt bei der Installation einiges an Programmierkenntnissen. Die Software ist auf einem Github-Server abgelegt, eine Dokumentation zum Vorgehen gibt es nur ansatzweise. Man muss also eine Server-Peripherie (ergänzter Link: t3n schildert das hier näher) aufbauen, um Pageflow für sich nutzbar zu machen. Außerdem ist es zurzeit (noch) recht aufwändig, Videos einzubauen: Man muss sie, wenn ich das richtig verstanden habe, in sieben unterschiedlichen Auflösungen bereitstellen, also auch mehrfach rendern oder umwandeln, damit die Software beim Abspielen auf unterschiedlichen Devices das richtige Video abgreift (responsiv). (KORREKTUR nach Hinweis in den Kommentaren: Das umwandeln kann eine Coding-Software in Zusammenarbeit mit einem Cloud-Speicher-Dienst. Beides ist kostenpflichtig.)

Fazit: So ganz einfach, wie es scheint, ist es nicht. Aber mit ein wenig Entwicklungspower aus der Crowd kann im Verlauf der nächsten Monate etwas daraus werden.

Weiterführendes:
Die Präsentation zum rp-Vortrag

Video: Ich habe mir von Stefan Domke ein paar Hintergründe erklären lassen. Er sagt auch, warum der WDR so „gönnerisch“ ist. Hier unser Gespräch:

Update: Im Blogpost von Bernd Oswald steht noch ein kleiner Ausblick: Vorher-nachher-Slider, Datawrapper und 360-Grad-Panoramen sollen bald auch eingebaut werden können.

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4 Kommentare leave one →
  1. 7. Mai 2014 10:20

    Ein sehr guter Artikel, danke!

    Eine kleine Korrektur:
    Das kodieren der Videos/Audios und das Skalieren der Bilder ist bei der Nutzung von Pageflow tatsächlich automatisch.
    Wenn ein Redakteur ein neues Video verwenden möchte wird, dieses im Hintergrund bei einem Online-Dienst (Zencoder.com) in verschiedene Formate umgewandelt, um in möglichst vielen Browsen und Endgerateten und auch bei langsameren Verbindungen abgespielt werden zu können.

    Die Komplexität bleibt vor den Nutzern, also den Redakteuren, verborgen. Diese müssen nur dafür sorgen das das Ausgangsmaterial von ausreichdender Qualität ist.

    Bei der Installation von Pageflow müssen diese Vorgänge natürlich eingerichtet werden. Es sind z.B. Accounts bei Amazon AWS und Zencoder nötig.

    Das „Open Source Projekt Pageflow“ wendet sich zur Zeit halt noch eher an die Entwickler-Community. Diese kann damit Redaktionen und Journalisten ein komplexes Tool zur Verfügung stellen.

    PS.: Danke für deine Arbeit! Der Blog ist abonniert.

  2. Birgit Reichardt permalink
    5. September 2014 12:32

    Danke für den Artikel. Fühle mich bestens informiert. War auch exakt auf der Suche nach diesen Informationen :)

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